europaeisches

Mittwoch, 8. Februar 2006

angst

wir sehen uns einer entwicklung gegenüber, machtvoll, unaufhaltsam scheinbar unkorrigierbar, die uns alle abstürzen läßt. es ist weder "der kampf der kulturen" noch jener um sogenannte okzitente "freiheiten" sondern vielmehr ein konglomerat unterschiedlicher innen- und aussenpolitischer vielfach auch ökonomischer macht- und herrschaftskämpfe, die wir im weltkino in erster reihe fußfrei betrachten. der cinematische horror hat längst die locker zu betrachtende zweidimensionalität verlassen. und den schau-lustigen wird gar bald mehr als die lust vergehen.

Freitag, 27. Januar 2006

schüsseliges (eu-)mozarteum

politische inszenierungen sind meist nahezu peinlich banal. letztlich sind sie nicht mehr als politische symbolik weitab von jeglichen (erleb- und spürbaren) realitäten. oft dienen sie vordergründig (partei-)politischer identitäts- bzw wählerbindung. dies kann mensch bedauern oder (auch) verurteilen, ist aber andererseits politisches (tages-)geschäft.

wenn nun der arme amadeus (gott hab' ihn selig) zur (selbst-)inszenierung des österreichischen bundeskanzlers und derzeitigen eu-ratsvorsitzenden sowie zur identitätsfindung eines europa der märkte ge-(miß-)braucht wird um eine eu der (gemeinsamen) kultur(en) zu symbolisieren, so zeigt sich damit einmal mehr der (falsche) schein europäischer politik. einer (menschenverachtenden neo-liberalen) politik, die schon längst den bezug zu den menschen verloren hat.

nur wachstum, beschäftigung und der aus- (und in den neuen mitgliedsländern auf-) bau sozialer standards schaffen jene, sich modellhaft von anderen regionen der welt abgrenzende, kollektive identität, die geneigt ist das europäische friedensprojekt als dauerhaftes zu etablieren.

ob mozart - wie der ratsvorsitzende meint - dazu inspiriert erscheint fraglich. das schüsselige mozarteum in salzburg ist wohl nichts anderes als eine perpetuierung des eu-theaters als operette. nur: mozart schrieb keine operetten. blöd, aber egal...

Donnerstag, 19. Januar 2006

Lohndumping und europäische Werte

Soll Europa auf Lohndumping, Sozialabbau und Reduktion des erreichten sozialen Sicherheitsniveaus erbaut werden? Wie können oder sollen "gemeinsame Werte" entstehen bzw tradiert werden, wenn sich Menschen bedroht fühlen (und sind)? Bedroht von Lohndumping, Arbeitslosigkeit, Sozialabbau.

Wenn etwa EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla vor Beginn des Treffens der EU-Sozial- und Arbeitsminister seine Ablehnung der von Österreich und Deutschland verhängten Beschränkungen für die Tätigkeit von Arbeitskräften aus den neuen EU-Staaten bekräftigte, dann bestätigt dies einmal mehr die Blindheit der EU-Administration vor der sozialen Lage in vielen (westlichen) EU-Staaten.

Anstatt Liberalisierung, Privatisierung und Flexiblisierung (der Arbeitsmärkte) braucht Europa eine Initiative für Wachstum und Beschäftigung. Europa muß ein "soziales Europa" werden, in der sich die Menschen wohl fühlen und Abschied nehmen von einer neo-liberalen Wirtschaftsunion als Tummelplatz menschenverachtender Kapitalisten.

Eine Nivellierung nach unten (somit nach Osten) bedeutet den Tod des europäischen Friedensprojektes. Doch das hat dieser (kommissarische) Träumer offenbar (selbst nach Ablehnung der EU-Verfassung durch die Franzosen und Niederländer noch immer) nicht kapiert.

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